Readymade – ein fiktives Tagebuch

Alles für Alle: nicht unmöglich!

Die Lebensrealitäten der jungen Generation heutzutage ändern sich immer schneller. Die
Vorstellung einer stringenten und planbaren Karriere oder eines Lebensweges entfernt
sich immer weiter von der Wirklichkeit vieler Menschen. Dementsprechend ändern sich
auch die Anforderungen, die sie an ihr Umfeld stellen. Gerade im Bezug auf das Wohnen
legen viele immer mehr Wert auf Flexibilität, aber oft mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit
und Qualität. Die Schrankwand „Eiche rustikal“ von Oma ist zwar schon hundert Jahre alt,
wird wahrscheinlich auch noch die nächsten hundert Jahre überstehen, wird sich in der
Zeit aber eher wenig von ihrem angestammten Platz fortbewegen. Im Gegensatz dazu ist
der Kompromiss, bei jedem Umzug immer wieder die Runde durch den schwedischen
Möbelausstatter zu drehen, ebenso für viele nicht zufriedenstellend.

Für wen ist das was?

Was bei Autos, Fahrrädern, Klamotten oder selbst Wohnungen in verschiedenen
Variationen schon angedacht ist, setzt sich so langsam auch für Möbel durch. Nämlich
Sharing. READYMADE sind dieses Jahr mit einem Möbelsharing-Konzept an den Markt
gegangen. Die Grundwerte Design und Nachhaltigkeit sind die zwei Pfeiler, auf denen ihr
Sharingkonzept ruht.

Wen interessiert das?

Ich, rastlos..

Ich war schon immer eine Individualistin. In meiner Jugend habe ich mit den Dorfpunks
rumgehangen, sie haben mir das Rauchen beigebracht. Die bunten Haare habe ich mir
erst abgeschnitten, als ich schon im ersten Semester war. Für mein Studium bin ich
natürlich in die große Stadt gezogen; endlich raus aus den engen Horizonten der
Kleinstadt, raus aus dem Mief der Dörflichkeit, wo jeder jeden kennt. Die Große Stadt war
das Tor zur Welt für mich. Es war mir immer wichtig, am Puls der Zeit zu sein, wie man
das so sagt; nicht einfach nur den Trends hinterher zu rennen, sondern dabei zu sein,
wenn Neues entsteht.

Festlegen wollte ich mich nie so richtig, deswegen bin ich, seitdem ich das erste Mal von
meinen Eltern weggezogen bin, zigmal umgezogen, immer auf der Suche nach der
Version von mir, mit der ich angeben wollte. Natürlich besitze ich kein einziges
Kleidungsstück von der Stange. Das meiste habe ich in Secondhandläden gekauft, oder
auf Flohmärkten. Ein oder zwei Kleider habe ich mir schneidern lassen und ein paar
Stücke habe ich sogar selbst genäht, aber das hat nicht so gut funktioniert.

Die Generationen nach mir

Ich finde, Ökologie ist keine Frage des Geschmacks oder Glaubens. Als könnte man sich
dafür entscheiden, zukünftigen Generationen die Existenzgrundlage zu nehmen. Ich habe
mich dazu entschieden, mir dieses Problem bewusst zu machen. Natürlich macht meine
persönliche Konsumentscheidung nicht den großen Unterschied, aber wenn mehr Leute
so denken, wie ich, können wir vielleicht doch gemeinsam eine Veränderung anstoßen.
Und es gibt ja schon viele Möglichkeiten des bewussten Konsums: Foodsharing,
Keidertauschbörsen, Couchsurfing,…

Eigene Möbel?

Nur Sitze ich immer noch in meinem WG-Zimmer inmitten von alten, halb kaputten, halb-
reparierten Möbeln. Das meiste kommt vom Sperrmüll oder von IKEA. Immerhin kann ich
mir einreden, dass es nachhaltig ist, wenn ich gebrauchte Möbel vom Sperrmüll mitnehme,

und dass ich die Möbel von IKEA benutze, bis sie auseinanderfallen, oder sich nicht mehr
zusammenbauen lassen, ist irgendwie auch vom Geist der Langlebigkeit geprägt. Doch
mit Stil hat das alles nicht viel zu tun. Immerhin rückt mein 30. Geburtstag unaufhaltsam
näher, und so langsam habe ich das Gefühl, doch mal erwachsen werden zu müssen,
ohne mir gleich ein Haus zu kaufen, oder mir irgendeinen Mann oder Hund ans Bein zu
binden. Eine moderne und erwachsene Frau muss doch eine geschmackvolle Wohnung
haben können!

Träume vom Teilen

Ich fänd‘ es schön, wenn ich die Möbel, die mir gerade gefallen, mieten könnte. Und wenn
ich sie nicht mehr mag, dann geb‘ ich sie wieder zurück. So kann ich mir meine Wohnung
so einrichten, wie es mir gefällt, und bin nicht abhängig davon, was es gerade bei der
Nachbarschaftshilfe gibt, oder muss auf mein Glück beim Sperrmüll hoffen. Mir gefällt die
Vorstellung, dass die Möbel, die ich mir gemietet habe, eine Geschichte erzählen können.
Vielleicht lagen auf meinem Schreibtisch vorher ein halbes Jahr lang die Plattenteller des
DJs, den ich letzten Samstag so umwerfend fand. Oder die Lampe auf eben diesem
Schreibtisch hat letztes Jahr das Manuskript des nächsten Bestsellers in langen, schweren
Nächten erleuchtet? Ich male mir gerne aus, es gäbe ein Forum, in dem die Geschichten
der Möbelstücke aufgeschrieben wären und ich könnte selbst einen Teil dazu beitragen,
wenn ich erzähle, woher das Brandloch im Küchentisch stammt.

Stell Dir vor: Das ist Wirklichkeit! Stell Dir vor: Du kannst Deine Möbel teilen und Deinen
Teil zur Geschichte eines langlebigen Stücks beitragen. Du kannst Dir im Online-Shop von
READYMADE die Möbel aussuchen, die Du brauchst. Sie werde zu Dir geliefert,
aufgebaut und später wieder abgeholt. Danach durchlaufen sie einen
Überabeitungsprozess bei dem die Gebrauchsspuren des Nutzers in die Gestaltung des
Möbelstücks eingearbeitet werden. Auf die Weise werden die Möbel nicht weggeworfen,
sondern dauerhaft in einem Nutzungskreislauf gehalten und von vielen verschiedenen
Menschen „bewohnt“.
Bisher ist das Startup nur in Köln, Bonn und Düsseldorf tätig – aber sie arbeiten an
weiteren Standorten. Schaut mal in ihrem Shop vorbei oder gebt ihnen Feedback auf
Facebook und Instagram.

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